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in Sansſouci wohnten: dies luftige Sommerſchloß iſt etwa zwölf breite Fenſter und einige Glasthüren breit, wenn Einer aus ſeinem Zimmer heraustrat auf die Terraſſe, ſo ſah er den Andern, und wurde ſicherlich geſehn. Es gehörte zu ſolcher Exiſtenz die ganze Bewaffnung franzöſiſcher Kultur, welche das kleine Esprituhrwerk den ganzen Tag über aufge⸗ zogen hält, jeden Augenblick die Taſche voll kleiner Gedankenmünze hat, und die deutſche und engliſche zurückgezogene, ſpinnende, ruhende Sinnigkeit nicht braucht. Solche Exiſtenz gehört auch durchweg in dieſe à jour gefaßten Schlöſſer, die jedenfalls nur für einen König oder ſonſt große Herrn taugen, der Wachen ausſtellen und ſich vor Zudringlichkeit ſchützen kann.
Aber auch unter dieſem Schutze fehlt's an poe⸗ tiſcher Verborgenheit. Die Wachen ſind ja doch auch lebende Weſen, und die beſten und tiefſten Einfälle und Stunden kommen dem Menſchen nur, wenn ſonſt Niemand kommen kann, auch nicht ein gleich⸗ gültiger Blick, auch nicht die Möglichkeit eines


