22
„friſche Tapferkeit“ anzuſtoßen. Dieſer begriff zwar leicht, daß es auf ſeine zu hoffende Tapferkeit gegen die Ruſſen gemünzt ſei, aber er ſtieß an, um wo möglich ein fröhlicheres Verhältniß zu erzeugen. Einem aufmerkſamen Beobachter der Fürſtin konnte es nicht entgehen, daß ſie nicht ſo ruhig war als ſie ſchien, daß zuweilen eine ſchnelle Röthe in ihrem Geſichte aufſtieg, daß ſie mit ungewöhnlicher Theilnahme und Beſorgniß auf den Säbelhieb blickte, den Hedwig auf des Gaſtes Rocke entdeckt hatte. Aber ſie ſprach nicht, und wenn Valerius ſie an⸗ redete, und mit weicher, einſchmeichelnder Stimme auf dieſe oder jene Weiſe in ein Geſpräch zu nöthigen ſuchte, ſo wich ſie immer aus, wenn auch gewandt und höflich, aber immer kalt.— Ihre ſchwer ruhen⸗ den Blicke, die auf dem jungen Manne weilten, ſo oft ſeine Augen nicht direkt auf ſie gerichtet waren, bemerkte er leider nicht, von dem mörderiſchen Kampf zwiſchen Stolz und Liebe, der in ſolchen Augen⸗ blicken über ihre ſchönen Züge hinwegbrauſ'te, ge⸗ wahrte er nichts.— Als man vom Tiſche aufſtand, entfernte ſie ſich ſogleich.— Auch Valerius ging. „Die liebt mich nicht, ich habe früher Recht gehabt,


