„Er hat einen Mordverſuch gemacht.“ „Weiter.“
„Er hat den Stahl gegen mich erhoben, er wird mit dem Stahl be⸗ ſtraft werden.“
„Du willſt ihn ermorden laſſen?,“ rief die Fürſtin Orlanoff verzweifelt.
„Ich werde ihn hinrichten laſſen.“
„Schön, wir wollen ſehen.“
In dieſem Augenblick war eine Stafette, in der größten Eile, aus dem Innern Litthauens angekommen, ein Offtzier trat, mit Staub bedeckt, in das Zimmer des Gouverneurs.
„Eilig!“ meldete er.
„Gleich!“ ſagte Mouravieff.
„Ich gehe fort von hier,“ verſetzte die Fürſtin,„aber ſchwöre mir, daß Du dieſem jungen Manne nicht ein Haar krümmen willſt“.
„Das kann ich nicht ſchwören.“
„Ohne dieſen Schwur gehe ich nicht fart.“
„Es ſoll ihm vor Morgen nichts geſchehen.“
„Und morgen?“
„Wird er hingerichtet.“
„Du biſt ohne Mitleid.“
„Du biſt es gegen mich.“
„Wenn Du wüßteſt—“
„Rede doch.“
„ IIn zwei Tagen werde ich reden.“
„Ich werde zwei Tage warten.“
Mouravieff ging zu ſeinem Schreibtiſch und wendete ſich zu der Stafette.
„Wo kommen Sie her?“ fragte er.
„General, ich komme von Lublin, mit einer Proclamation über die Amneſtie.“
„Was ſagt ſie?“
„Sie werden es hören.“
„Wer ſchickt Sie?“
„General Berg.— Dieſe Proclamation iſt ein Wehruf, der in allen Winkeln Polens wiederhallt und Europa in Brand ſtecken wird.“
„Glauben Sie das nicht,“ ſagte Murawiew,„leſen Sie.“.
Der Offizier las:
„Zu den Waffen! Polen, zu den Waffen!
„Möge die Amneſtie, dieſer letzte Schimpf, womit man unſere heilige Sache beflecken wollte, alle Herzen erheben, alle Arme waffnen und uns unter demſelben Banner: Ein einiges und freies Polen, vereint finden.
„Man ſoll es endlich erfahren und niemals vergeſſen, daß wir Sibirien,


