*½——
287
In den Städten, in welche ſie eindrangen, oder in deren Beſitz ſie ſich augenblicklich befanden, bemächtigten ſie ſich der öffentlichen Kaſſen, aber ſie verabſäumten nie, darüber Quittung zu geben und ſich für das genommene Geld verantwortlich zu erklären. In einer kleinen Stadt in der Nähe von Plock war auf dieſe Weiſe eine Summe vou mehreren Tauſend Rubel in die Hände eines Inſurgenten⸗Offiziers gefallen, der augenblicklich keine Verwendung dafür hatte, er vertheilte ſie daher unter die ſteuerpflichtigen Bewohner.
Auf der Straße von Warſchau nach Modlin wurde durch eine Polen⸗ Abtheilung ein von Koſaken escortirter Trupp Rekruten befreit. Man begnügte ſich damit, den Koſaken die Waffen abzunehmen, während man ſie ſelbſt nicht gefangen nahm..
In Kozienice, einer kleinen Stadt des Gouvernements Sandomir,
entwaffnete die inſurgirte Bevölkerung die Ganiſon, tödtete aber keinen
Soldaten.
Und wie vergalten dieſe Koſaken eine ſolche Schonung?
Ein junger Arzt, welcher von Konin zu den Inſurgenten gekommen war, um für die Verwundeten zu ſorgen, hatte in dem Hauſe, welches als Lazareth gebraucht wurde, ſeine Wohnung genommen. Er fiel in die Ge⸗
fangenſchaft der Ruſſen und wurde, ohne Rückſicht auf ſein Alter, ſeine
Hingebung für ſeinen Stand, nicht allein von zehn Bajonetſtichen durchbohrt, ſondern auch noch erſchoſſen, weil er nicht ſchnell genug ſterben konnte.
Auf dem Schlachtfelde hatten die Ruſſen den Körper des jüngſten Sprößlings einer alten, polniſchen Adelsfamilie bemerkt und zerſchlugen ihm mit Kolbenſchlägen den Schädel, indem ſie dabei rohe Scherze machten und ſagten, ſie wollten ſehen, ob er einen harten Kopf habe.
Ein Unglücklicher, Namens Stephanowitſch, welcher mitten unter Todten und Sterbenden lag, wagte es, um einen Trunk Waſſer und einen Arzt zu bitten; er wurde todtgeſchlagen.
Die Bauern, welche ſich in ihre Scheunen und Ställe geflüchtet hatten, band man zwei und zwei zuſammen, um ſie zu erſchießen. Das nennen die Ruſſen„ein Exempel ſtatuiren und von der Inſurrection abſchrecken.“
Freilich iſt es wahr, der Schrecken geht ihnen voraus und der Schrecken
folgt ihnen; das iſt die letzte und grauſamſte Hülfe, und dieſe wird ihnen eben ſo nutzlos ſein, wie jede andere.
Man kann beſtimmt glauben, und hierüber ſind alle Berichte einig, daß die Zahl der Todten im Gefecht von Dobroslaw nicht mehr als vier Mann betragen hat, der natürlichen Vertheidigungsmittel wegen. Und den⸗ noch wurden mehr als vierzig Opfer in dieſen blutigen Gefecht niederge⸗ metzelt; dies muß alſo nach dem Treffen geſchehen ſein, als die Freiwilligen ſich zurückziehen mußten; nach dem Ende des Kampfes mordeten die Ruſſen


