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Jetzt wußte Sigismund, daß auch er verloren war, wenn nicht Schlau⸗ heit ihn rettete.
Der Ruſſe ließ die Familie unter Bedeckung zurück und befahl, Adrian in das Gefängniß zu führen.
Mit leidenſchaftlicher Angſt ſchlang Rebecca ihre Arme um den Ge⸗ liebten und preßte ihre Lippen auf ſeinen ſtummen Mund.
„Rebecca, o mein Kind!“ ſagte Abraham zum erſten Male mit dem Ausdruck tiefen Schmerzes.
Sie hörte nicht auf ihn, ſie umklammerte Adrian, als wolle ſie ihn nimmer laſſen, erſt den ſtarken Armen der Ruſſen gelang es, das perzweiſelis Mädchen von ihm loszureißen.
Er wurde fortgeführt; Waſſilowitſch ging, die Hausſuchung zu halten und die Familie blieb mit Sigismund und der Wache allein.
Kein Wort wurde geſprochen, nur als Rebecca wankend, leichenbleich und bebend an dem Lehnſtuhl ihres Vaters niederſank, rollte dieſer ſeinen Sitz zurück und ſagte mit zitternder, ſchmerzerfüllter Stimme:
„Laß mich, Du biſt mein tiefſter Schmerz!“—
Auf den Knieen ſchleppte ſich das unglückliche Mädchen zu dem Sopha, auf dem die Mutter ſaß, doch auch dieſe rückte von ihr hinweg und zog ihre bauſchigen Kleider näher an ſich heran, als ſcheue ſie die Berührung des ungehorſamen Kindes.
Da ſank Rebecca ohnmächtig zuſammen.
Sigismund hob ſie auf und legte ſie auf eine Ruhebank. Kein Blick der Eltern traf die Arme, als ſie unter ſeinen Bemühungen langſam die Augen aufſchlug und zum Bewußtſein ihres Unglücks zurückkehrte.
Die beiden Ehegatten rückten ſchweigend an einander, nahmen ſich bei den Händen und ſaßen lange ſo, bis Waſſilowitſch den Alten holte, um bei dem Oeffnen verſchiedener Patentſchlöſſer behülflich zu ſein.
Jetzt wandte ſich Sigismund an das Mutterherz und bat um Erbarmen für das furchtbar leidende Mädchen; doch die Frau wies ihn zuerſt mit einer Handbewegung, dann mit Worten zurück, die ſich peinvoll aus ihrer Bruſt hervorrangen.
„Sie iſt untreu geworden ihrem Glauben und ihrem Bräutigam, den ſie mit freiem Willen von uns annahm; ſie iſt untreu geworden den Lehren ihrer Eltern, dem guten Beiſpiel ihrer Verwandten— wie kann ſie noch mein Kind ſein?“——
Qualvolle Stunden vergingen und Mitternacht war bereits vorüber, als der alte Abraham gebunden wieder hereingeführt wurde.
„Leb wohl, Täubchen!“ ſagte er zu ſeiner Frau.„Mag Dich der Allgerechte ſchützen! Ich glaube, ich habe nichts zu fürchten, und wir ſehen uns, ſo Gott will, bald wieder. Bis dahin tröſte unſere verheiratheten


