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„Sie faßt die Sache in ihrer eigenthümlichen Weiſe auf. Sie iſt ruhig und ihre Trauer hat einen faſt verklärten Ausdruck. Sie hatte wie Sie ja ſelbſt wiſſen, ſchon vor einigen Tagen mit einer Art wahl⸗ verwandter Ahnung vorhergeſagt, daß Wenggy nicht lange mehr leben könne— obwol er und ſie eigent⸗ lich nicht viel mitſammen verkehrten, denn Wenggy hatte keine Zeit, ſich um das Kind zu kümmern, ſo ſtehen ihre beiden idealen Naturen ſich doch ſehr nahe Hoffentlich wird Hedwig, wenn die Trauer um den Schwager vorüber iſt, auch dem Leben und der Liebe ihr Recht gönnen... Wollen Sie mich zur Falken⸗ burg begleiten?“
„Gewiß— vorher erlauben Sie mir jedoch, Ihnen dieſen Brief vorzulegen, den ich ſoeben empfange. Er iſt von Angelikas Bruder.“
Mit Haſt griff der Landammann darnach und las ihn. Allmählig verklärte ſich ſein umdüſtertes Geſicht zu milder Freude.
„So reichen Glück und Trauer einander die Hände!“ ſagte er.„Ich danke Ihnen. Wenn Sie mir erlauben, werde ich Angelikas Bruder die Aufſchlüſſe über mich geben, welche er zu erhalten wünſcht. Ich traue Ihnen nicht allzuviel Unparteilichkeit zu. Erlauben Sie?“ fragte der Landammann und machte Miene, den Brief einzuſtecken⸗
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