180
Mit der Miene eines Siegers ſtieg Vingris die Treppe hinab und begab ſich in ſeine Loge.
Noch einige Zeit fuhr der aus dem Hofe des Ho⸗ tels verbannte Kutſcher vor dem Portal auf und nie⸗ der, indem er ſehr bezeichnende Geberden gegen das Fenſter des Portiers machte. Ein Stadtſergent, wel⸗ cher dies beobachtete, hieß ihn ſeiner Wege fahren.
Dies Zwiſchenſpiel war eben beendigt, als der Hochzeitwagen der Mondélions bereits wieder um die Ecke bog. Die Trauung hatte in der Madeleinekirche ſtattgefunden, und zwar hatte ſich dabei, da das allgemeine Intereſſe faſt ganz auf die Ausmärſche der verſchiedenen Truppenabtheilungen gerichtet war, das ſchauluſtige Pariſer Publikum weniger zahkreich eingefunden, als es ſonſt bei den Hochzeiten der Ariſtokratie der Fall war.
Noch immer ſchien Louiſon, welche neben ihrem Gatten allein im Wagen ſaß, die Starrheit nicht über⸗ wunden zu haben, welche ſchon den ganzen Tag auf ihrem Geſicht und ihren Sinnen lag.
Beunruhigt durch ihr Schweigen, beugte ſich Mon⸗ délion zu ihr nieder und ſagte mit ſanftem Vorwurf:
„Ich gehe morgen fort, es iſt möglich, daß ich niemals wiederkehre— ſoll meine Todesſtunde nur die Erinnerung an das bleiche, vorwurfsvolle Geſicht mei⸗ nes Weibes umſchweben?“


