232
Und daſſelbige Packel, hat ſie ihm geſagt, ſoll er vor ihren Augen verbrennen, und hat dabei immer gehorcht,
ob Niemand kommt. Da hat mein Vater ſich denkt,
da muß was Beſondres drin ſein, und hat ein Scheit Holz in den Ofen geworfen, daß die Funken aufgeflo⸗ gen ſind, das Packel aber hat er in die Taſchen geſteckt. Die Frau Baronin is nachher aber viel ruhi⸗ ger geweſ'n und bald drauf is ſie geſtorb'n.“
Die Reſ'l ſchwieg, um die Wirkung zu beobachten, welche ihre Erzählung hervorgebracht hatte.
Angelo konnte ſeine Aufregung über die ſonder⸗ bare Mittheilung nicht ganz verbergen.
„Dann war Dein Vater einfach ein Dieb“, knirſchte er.
Die Reſ'l zuckte mit großer Ruhe die hübſchen Schultern.—
„Meinetwegen! Gott hab' ihn ſelig! Er is jetzt zwei Jahre todt und wegen des Diebſtahls kann ihn Ihre Frau Mutter drüben verklagen! Es ſtiehlt oft einer mehr als das und kommt net ins Zuchthaus, ſondern behält ſeinen geſtohlenen Namen und ſeine geſtohlenen Reichthümer ſein Lebelang— Notabene wenn's die Reſ’l erlaubt. Denn ich hab' jetzt all die welſchen Briefe, und mein Vater hat zu jedem Brief geſchrieben, was er auf Deutſch heißt, und hat mir


