Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

285

auf jene verklungenen Zeiten, da Frauentugend und Rittermuth über alle Gefahren ſiegten, mit denen Bos⸗ heit und Gewalt ſie bedrohten. Ich habe nie daran glauben wollen, daß Alles aus jener romantiſchen Zeit vergeſſen und begraben ſei. Und wenn ich auf die letzten Tage und die Schickſale der erlauchten Familie zurückblicke, deren Gegenwart die Freude dieſes Hauſes iſt, ſo ſcheint mir, als ſeien nur der Boden, auf dem ſie gekämpft, die Waffen, mit denen ſie geſiegt, andere, aber als ſchlüge in ihrer Bruſt noch daſſelbe Herz, wie einſt unter Krauſe nnd Panzer der Cdelſten. Gleich den Beſten der vergangenen Zeiten haben ſie gekämpft gegen ein unverdientes Gericht; zuerſt mit treuer, ge⸗ horſamer Ausdauer, dann mit ehernem, unbeugſamem Trotz. Ihre Geſchichte und ihr Sieg klingen ſo mär⸗ chenhaft, als nur je ein merkwürdiges Schickſal klang aus dem Munde des Troubadours. Das hat mich ausgeſöhnt mit unſerer Zeit uud mancher Flachheit, die wir ſchwer ertragen! Denn noch gibt es Männer, ſtark und kühn und treu, die, unbekümmert um Spott und Verachtung einer Welt, ſich ihr eigen Schickſal ſchaffen mit eherner Fauſt. Noch gibt es Frauen, welche, wenn ihr Gatte ihnen, den Tod im Auge, ſagt: Stirb mit mir! ruhig und ohne Zaudern ant⸗ worten: Ich komme! Ihnen danke ich's, daß mich