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nur zu Thorheiten treiben, an die er ſelbſt niemals gedacht hätte. Wir müſſen in aller Stille die Fäden in die Hand zu bekommen ſuchen und nach den Um⸗ ſtänden handeln...“
Die Baronin hielt inne und man hörte nur ihren raſchen, keuchenden Athem in der Dunkelheit, und ihre mageren Finger drückten Jolanthens Arm faſt ſchmerz⸗ haft. Dann zog ſie die Verwandte ganz nahe an ſich und flüſterte kaum vernehmbar:
„Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich mich ſo weit erniedrigt, zu lauſchen. Es war am An⸗ fang jenes unglücklichen Kriegs; die erſten öſterreichi⸗ ſchen Truppenzüge fanden in dieſer Gegend ſtatt und Lorin war, wie Du weißt, einige Zeit das Hauptquar⸗ tier des feindlichen Generalſtabs. Um nicht belauſcht zu werden, hatte der Commandirende die Berathungen in das Zimmer eines einfachen Adjutanten verlegt, und wie zufällig fand ſich der Stab dort zu einer beſtimm⸗ ten Stunde zuſammen. Ein früherer Diener des Hau⸗ ſes, der als öſterreichiſcher Soldat und Offiziersburſche in unſerem Hauſe einquartiert war, hatte mir das ver⸗ rathen. Der Adjutant bewohnte das Zimmer, das ſie jetzt inne hat. Eine Thür führt, wie Du weißt, in einen unbenutzten Raum: ſie iſt ſtets verſchloſſen. In dieſe Thür bohrte der Mihal faſt unſichtbare Löcher,


