wenn ihr auch in dem Benehmen ihrer Verwandten in letzter Zeit Vieles unverſtändlich geblieben war, ſo beſaß ſie doch die glückliche Gabe, alle Erſcheinungen in letzter Linie auf ihre eigene reizende Perſon zurückzuführen. „Wen denn ſonſt konnte Mama, gemeint haben?“
Das war's, was Gertrud ihr nicht ſagen konnte.
Auch heute Abend wieder hatte Ilka ihre Vertraute ſo weit als möglich in das Dunkel des dämmernden Zimmers gezogen und erzählte ihr flüſternd und mit manchem ſcheuen Seitenblick auf ihre angebetete Mama, ſie habe mit Serravaglia, als er draußen auf der Straße vorbeigeritten ſei, aus dem erhöhten Belvedere des Parks einige bedeutſame Worte gewechſelt, davon aber leider nichts behalten, als daß ſie morgen wieder dahin kommen ſolle..
Gertrud fühlte ſich in der peinlichſten Verlegenheit. Ilka's Heimlichthuerei mußte auffallen und in der That ſchickte Jolanthe, welche ſich halblaut mit der Baronin unterhielt, dann und wann einen beobachtenden Blick herüber. Vergebens ſuchte Gertrud den Eifer, die immer heftigeren Bewegungen Ilka's in Schranken zu halten durch die eigene Ruhe und ſagte ebenſo leiſe:
„Natürlich wirſt Du der Einladung keine Folge leiſten.“
„Und warum nicht?“ ereiferte ſich Ilka.„So ein
v. Schlägel, Graf Ketlan der Rebell. I. 16


