31
Stirn gekämmten blonden Haarwellen, die junge Dame, auf welche Sandor vor einer Stunde mit Oerdöck und Hero Jagd gemacht hatte, und zu deren zarter und edler Erſcheinung es keinen ſchrofferen Gegenſatz geben konnte als ihn ſelbſt, wie er ſich in dem abge⸗ legten Ballkleide ſeiner Schweſter am Boden wälzte und vergeblich auf die Füße zu kommen ſuchte, deren Sporen ſich immer tiefer in die Schleppe verwickelten.
Die junge Dame blieb einen Augenblick ſtehen; eine leichte Ueberraſchung zeigte ſich auf ihrem feinen Ge⸗ ſicht und es war, als ob das Gefühl für das Unſchick⸗ liche des derben Scherzes mit ihrem Eintritt ſich lang⸗ ſam über die ganze Geſellſchaft verbreite; denn von jedem Antlitz ſchwand das Lächeln, und nur noch Herr von Lorin ließ ein letztes Lachen hören, das wie ein Röcheln klang und von Major Durraleiſe ſekundirt wurde.
Ilka hatte kaum die Eintretende erblickt, als ſie es ihrem Bruder überließ, mit Hülfe Serravaglia's wieder auf die Füße zu kommen, und dieſelbe lebhaft bei der Hand ergreifend, führte ſie ſie mit ſtrahlenden Augen zu ihrer Mutter. Die Fremde neigte ſich mit ſicht⸗ licher Verehrung über die Hand der kranken Dame.
Dieſe legte den Arm um den niedergebeugten Kopf des ſchönen jungen Weſens und drückte einen leichten Kuß auf die reine Stirn.


