Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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ſchmiegte ſich an die Bruſt ihres Mannes, der in dieſem Augenblicke ernſt und träumeriſch zu der ſich am Fuße des Hügels ausbreitenden luftigen Zeltſtadt der Sol⸗ daten hinüberſchaute. Die junge Frau glich einer lieb⸗ lichen Heiligen. Entſagung und Zuverſicht, Hingebung und Charakterſtärke traten aus den Zügen dieſes zarten poeſievollen Antlitzes hervor, und in den zum Ange⸗ ſichte ihres Gatten ſchwärmeriſch aufgeſchlagenen Augen ſchimmerte nicht allein die ganze Liebesfülle eines treu⸗ ergebenen Herzens, ſondern auch das feſte Gottvertrauen einer ſtarken Seele. Selbſt in der hingebenden Haltung ihres ſchlanken Körpers, den ein perlgraues Seidenkleid züchtig umfloß, lag jene Sicherheit, welche allen den weiblichen Naturen eigen iſt, die an ihrer unwandelbar reinen Denkungsart einen ſicheren Halt in trüben Tagen wie im Glücke beſitzen.

Der junge Mann, welcher mit über die Bruſt ge⸗ kreuzten Armen neben dem Paare ſtand, trug keine Uniform, ſondern die derbe, aus ſogenanntem Haus⸗ geſpinnſt verfertigte Kleidung eines backwoodsman*) und einen breitkrämpigen Farmerhut. Seine ariſtokra⸗ tiſchen Züge und feinen Hände contraſtirten eigen⸗

thümlich zu dieſer ſchlichten urwüchſigen Tracht, die

*) Hinterwäldler.