Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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der Reiterin, die trotz der verſengenden Sonnengluth ſtraff im Sattel ſaß und mit ihren kleinen, in zierlichen Stulphandſchuhen verborgenen Händen, die zugleich Zügel und Peitſche hielten, das keuchende und ſchäu⸗ mende Roß ſicher lenkte. Den kühnen Charakter der Reiſenden denn eine ſolche war ſie, wie der rück⸗ wärts an den Sattel geſchnallte Mantelſack und die zu beiden Seiten des Pferdehalſes herabhängenden ledernen Proviantbeutel verriethen bezeugten auch zur Genüge die blitzenden Revolver, welche im Gürtel der Dame ſteckten und unter dem loſe über die Schultern ge⸗ hängten grauen Plaid recht kriegeriſch hervorſahen.

Und Muth gehörte wahrlich dazu, ſich in jener Zeit ohne große Escorte auf Maryland⸗ und Nord⸗Virginia⸗ Gebiet zu wagen, ſelbſt tapfere Männer nahmen An⸗ ſtand, dies allein zu thun, denn obwohl die Unions⸗ truppen zu Anfang April 1863 den nördlichen Theil des Shenandoahthales, ſo wie die ganze Baltimore⸗ Ohio⸗Eiſenbahnlinie beſetzt hielten, ſchwärmten doch da und dort hinter ihrem Rücken kleine Trupps von Guerillabanden der Südſtaatenführer Imboden und Mosby, raubten und ſengten, ſo raſch verſchwindend, wie ſie gekommen waren.

Die Reiterin hatte einen Begleiter. Dieſer ritt ebenfalls. Er war ein hagerer, grauköpfiger, aber mus⸗