190
floͤs ihm nach. Lachend ruhten wir aus: zu unſern Fuͤßen lag die lieblichſte Idylle; der Jubel ward zur Feier, die Freude zur An⸗ dacht. Sidonie ſchlug einige Toͤne an, und ſang, vom Geiſt des Dichters angeweht—
O zarte Sehnſucht, ſüſſes Hoffen,
Der erſten Liebe gold'ne Zeit,
Das Auge ſieht den Himmel offen,
Es ſchwelgt das Herz in Seligkeit.
Ach, fiel Luiſe jetzt mit Sehnſucht ein—
Ach, daß ſie ewig grünen bliebe,
Die ſchöne Zeit der jungen Liebe!
Ich ſaßte Sidoniens Haͤnde, ſah, wie das reine Herz in ihr Ange trat, in ſtillen Thraͤ⸗ nen ſich ergoß, und ſchwor bei dieſen Perlen auf die unverloͤſchbare Flamme der meinigen.
Die Familie empfing uns mit warmer
Herzlichkeit, der Brief ging an den Onkel ab,
und lange ſah ich, nicht ohne Zagen, ſeiner Antwort entgegen
Wir ſaßen im Kreiſe der ſcherzenden, flei⸗ ßigen Braͤute, als endlich der Schickſals⸗Bo⸗
the kam. Die Maͤdchen verſtummten, Sidonie
eilte an meine Seite, zoͤgernd erbrach ich, un⸗
ter hoͤrbarem Herzklopfen, das Paket. Si⸗ 3
und ſein Segen waren mein.—


