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Die Versucherinnen / von Gustav Schilling
Entstehung
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hin mit der ganzen Kraft einer ſchuldlo⸗ ſen Neigung an ihm gehangen hatte, ſuchte jetzt nur ſeine Flecken auf, ſah in allen ſeinen Schritten nur Fortſchritte zur Thorheit, zum Verderben, und in ſeiner Hinneigung zu ihrem Geſchlechte, die treu⸗ loſeſte Verraͤtherei. Tief fiel das maͤnn⸗ liche in ihren Augen; wohin nur Sa⸗ bine blickte, gab es ungluͤckliche Gattin⸗ nen, die einſt wie, ſie geſucht, vergoͤttert und betrogen wurden. Nein, ſprach das Maͤdchen zu ſich ſelbſt: die Maͤnner ſind der wahren Liebe weder faͤhig noch werth, und ſchnell erſetzte ihre rege Phantaſie den Verſchmaͤhten. Nur von dem Ideale traͤumte ihr jetzt, und ach, wie kleinlich und beſcholten⸗, ſtand Leander neben die⸗ ſem. Zwar lieh die Schwaͤrmerin dem Traumbild ſeine Form, die ihr noch im⸗ mer vor allen wohlgefiel, doch ſprach aus dieſem Auge nun ein reinerer Geiſt, der