308
auf England, welchen ihm der große Papſt Sixtus V. ganz im alten weltherrſchenden Geiſte der römiſchen Kirche, nach denſelben Begriffen von Weltordnung verlieh, wie einſt Gregor VII., wie Innocentius III. und Innocentius 1v. ſie entwickelt, aus⸗ geſprochen und bethätigt hatten. Jener Obelisk, den Sixtus V. in Rom aus dem Schutte ſo vieler Jahrhunderte wieder empor⸗ richten ließ, war in der That ein bedeutungsvolles Symbol, wie ſich auch die Macht der römiſchen Kirche ſiegreich wieder zu erheben ſtrebte. Ein größerer Werkmeiſter als jener geniale Fontana, ein tauſendarmiger, arbeitete dafür,— der Jeſuiten⸗ orden. Das Beiſpiel nachahmend, welches die erhabenen Cha⸗ raktere gegeben, die vor ihm auf dem Stuhle des Apoſtelfürſten geſeſſen,— erklärte Sixtus V., als Stellvertreter Jeſu Chriſti, im Beſitz der Macht zu binden und zu löſen,— die Kö⸗ nigin Eliſabeth,„als Ketzerin und Verfolgerin des wahren chriſtlichen Glaubens,“ verluſtig aller ihrer fürſtlichen Ehrentitel, Rechte und Anſprüche in Bezug auf England und Irland, und entband ſämmtliche Unterthanen von dem Eide der Treue und des Gehorſams gegen ſie. Kraft jener alten hierarchiſchen Rechtsbegriffe von der höchſten Gewalt der römiſchen Kirche über alle irdiſche Herrſchaft übertrug er ferner Philipp dem Zwei⸗ ten,(welcher den Titel„rey catholico“ vorzugsweiſe verdiente,) als einem„Beſchützer des chriſtlichen Glaubens,“ die Herr⸗ ſchaft über England und IJreland als ein von der rö⸗ miſchen Kirche vergebenes Lehen. Zu der Expedition bewilligte er dem getreuen Sohne der römiſchen Kirche eine Million Dukaten in Gold. Durch jenen geiſtlichen Rechtstitel nun erhielt die Unternehmung Philipps II. gegen England in ſeinen Augen ihre höchſte Sanktion. Er betrachtete ſie, als ſei in ihr der Inbegriff ſeines ganzen Lebens zuſammengefaßt. Sie war ihm die erhabenſte Aufgabe jenes geiſtlichen Ritterthums,


