Teil eines Werkes 
2. SupplementbandGeschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande : 2. Band (1841) Von dem Abschluß der Utrechter Union bis zur Vernichtung der spanischen Armada : 1579-1588 / fortgesetzt von Eduard Duller
Entstehung
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thanen beurtheilen. Wie Farneſe alle Eigenſchaften beſaß, deren ein vollkommener Feldherr bedarf, Scharfſinn und ſchnellen Ueberblick, Kühnheit und Ausdauer, das Talent, den Soldaten zu imponiren und doch ihre Liebe zu gewinnen und zu erhalten, Strenge und Nachſicht am rechten Ort zu üben, das Ta⸗ lent, die Verhältniſſe, auch wenn ſie drohend überraſchen, zu beherrſchen, endlich die genaueſten Kenntniſſe im Kriegsweſen, ſo fehlten ihm auch wieder jene Gaben nicht, die der Fürſt in ſchwierigen Zeiten einem Volke gegenüber nöthig hat, um es unmerklich nach ſeinem Willen zu lenken, die Würde, mit Leutſeligkeit gepaart, welche den gemeinen Mann bezaubert, die. ſcheinbare Vertraulichkeit, welche dem Adel und den höheren Klaſſen ſchmeichelt, die fromme Demuth gegen geiſtliche Perſo⸗ nen, welche den Klerus gewinnt, kurz eine tiefe Menſchenkennt⸗ niß und das Talent, die Menſchen nach ihren Individualitäten paſſend zu behandeln. Dazu beſaß er nun noch italieniſche Leb⸗ haftigkeit und italieniſche Schlauheit. So vermochte er es, be⸗ ſtehende Riſſe unmerklich bloß dadurch zu erweitern, indem er Perſonen, die ihm wichtig ſchienen, an ſich zog; wer mochte dabei denken, daß er andere, die er nicht zu gewinnen hoffen konnte, verdächtigte? Man ſieht, daß eine ſolche Schlauheit oft haarſcharf an Hinterliſt gränzen mußte; aber ſelten überſchritt ſie bei ihm dieſe Gränze. Farneſe wußte zu gut, daß es nicht genug iſt, bloß ehrlich zu ſein, daß es für hochgeſtellte Perſonen oft noch wichtiger iſt, den Kredit der Ehrlichkeit zu behaupten. So war es ihm gegeben, da, wo die Schärfe des Schwertes nicht ausreichte, durch die feinen Künſte der Politik zu ſiegen. Ueberdieß kam es ihm noch zu ſtatten, daß er damals, als er die Generalſtatthalterwürde antrat, in der Blüthe ſeiner männ⸗ lichen Kraft ſtand. Was ſeine religiöſen Anſichten betraf, ſo war er ſtreng katholiſch; aber ſein Eifer für die Religion war