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Faſt zur ſelben Zeit, als dieſe Uebereinkunft mit Anjon abgeſchloſſen wurde, betrat der zweite Bundesgenoſſe, der Pfalzgraf Johann Kaſimir den niederländiſchen Boden. Er war mit ſeinen Truppen über Köln und Meurs in die Graf⸗ ſchaft Zütphen gekommen und harrte dort, bis ihm die Staa⸗ ten für jenes Kriegsvolk, das er, noch über ſeine Beſtallung, für ſie angeworben hatte, den Sold ſchicken würden. Dieſe For⸗ derung verſetzte die Staaten in die größte Verlegenheit, da ihre Finanzen erſchöpft waren; ein ſchlimmes Omen! Dringend ba⸗ ten ſie ihn denn um Aufſchub der Zahlung und um Beſchleu⸗ nigung ſeines Weiterzuges. Johann Kaſimir gab nach und vereinigte ſich am 26. Auguſt mit dem Heere Boſſüs, welches noch in der Umgegend von Mecheln lag.
Die Heeresmacht der Staaten belief ſich nun auf 35,000 Mann zu Fuß und 14,000 zu Roß; weit geringer war die Don Juans. Gleichwohl brachte den Staaten ihre Uebermacht an Truppen nicht bloß keinen Vortheil, ſondern ſie vergrößerte ſo⸗ gar ihre Verlegenheit. Bloß das Heer im offenen Felde,— alſo die Beſatzungen der Feſtungen nicht gerechnet,— erforderte monatlich neun Tonnen Goldes zur Erhaltung und die Einnah⸗ men der Staaten erreichten mit genauer Noth etwas über vier Tonnen. Brabant war bereits ausgeſogen; Flandern und die walloniſchen Landſchaften, welche fortwährend in gegenſei⸗ tiger Erbitterung lagen und einander ruinirten, bezahlten keine Steuern; Holland und Seeland fingen kaum an, ſich von ihren ſchweren Wunden etwas zu erholen; Geldern, Fries⸗ land und Overyſſel hatten für ſich ſelbſt ſchon genug zu ſorgen; die übrigen Len,n. Ken dannten theils nur wenig Geld⸗ mittel aufbringen, theils befanden ſie ſich in Feindeshand. Die unbezahlten Truppen ſingen an zu murren und nur mit Mühe brachte Boſſü ſie dahin, daß ſie ſich einſtweilen mit dem Em⸗
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