320
ten von Holland, ohne Vorwiſſen Oraniens, im No⸗ vember 1577 Amſterdams durch einen kühnen Handſtreich zu bemeiſtern beſchloſſen; doch ſollte die Bürgerſchaft Amſterdams dabei weder geplündert noch ſonſt ſchwer belaſtet werden. Der Kriegsobriſt Hermann Helling und der kühne Hauptmann Niklas Ruikhaver, ein geborner Amſterdamer und einſt einer von den Meergeuſen, übernahmen den Anſchlag. Sie hat⸗ ten zehn Fähnlein Fußvolks, welche am 23. November früh am Morgen vor das Haarlemer Thor kommen ſollten. Aber nur vier Fähnlein trafen, in Schiffen verborgen, wirklich an der bezeichneten Stelle ein; die übrigen ſechs hatten ſich— in Folge eines Mißverſtändniſſes— vor ein Thor der Stadt Haarlem begeben. Da man, ſeit der Pacifikation von Gent, in Amſterdam gewohnt war, oraniſches Kriegsvolk ohne Anſtand einzulaſſen, wenn es nämlich die Waffen am Thore ablegte und ſie bei'm Zurückgehen dort wieder in Empfang nahm, ſo hatte ſich Hellings Lieutenant am Abend zuvor mit ſieben bis acht Soldaten in die Stadt begeben und darin die ganze Nacht fröh⸗ lich zugebracht. Zwiſchen acht und neun Uhr gehen ſie aus ihrer Herberge wieder an's Thor, erhalten ihre Waffen zurück und begeben ſich vor die Stadt. Wie durch Zufall treffen ſie hart vor dem Thore einige Kameraden und ſetzen ſich mit dieſen zum Spiel um Geld. Sie gerathen ſcheinbar in Zwiſt, werden immer erhitzter, und ziehen endlich die Degen. Die Wache am Thore miſcht ſich darein, um ſie auseinander zu bringen; da wenden ſich die Spieler plötzlich gegen dieſe, überwältigen die Thorwache, durchbohren den Pförtner und beſetzen das Thor. Jetzt eilen ihre Kameraden aus den Schiffen und dringen mit wallenden Fahnen in die Stadt, gerade nach dem Damm zu, wo ſie die erſte Gegenwehr finden. Indeſſen blickt der Oberſt Helling überall aus nach den ſechs andern Fähnlein, deren Aus⸗


