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Philoſophen und Mediciner lehren mich, wie treffend die Stimmungen des Geiſtes mit den Bewegungen der Maſchine zuſammen lauten. Gichtriſche Empfindungen werden jederzeit von einer Diſſonanz der mechaniſchen Schwingungen begleitet— Leidenſchaften mißhandeln die Lebenskraft— der uͤberladene Geiſt druͤckt ſein Gehaͤuſe zu Boden— Wie denn nun?— Wer es verſtuͤnde, dem Tod dieſen ungebahnten Weg in das Schloß des Lebens zu ebnen?— den Koͤrper vom Geiſt aus zu ver⸗ derben— hal! ein Originalwerk!— wer das zu Stande braͤchte? — Ein Werk ohne Gleichen!— Sinne nach, Moor!— Das waͤr' eine Kunſt, die's verdiente, dich zum Erfinder zu haben. Hat man doch die Giftmiſcherei beinahe in den Rang einer or⸗ dentlichen Wiſſenſchaft erhoben, und die Natur durch Experimente gezwungen, ihre Schranken anzugeben, daß man nunmehr des Herzens Schlaͤge Jahre lang vorausrechnet, und zu dem Pulſe ſpricht: bis hieher und nicht weiter!— Wer ſollte nicht auch hier ſeine Fluͤgel verſuchen?
Und wie ich nun werde zu Werke gehen muͤſſen, dieſe ſuͤße, friedliche Eintracht der Seele mit ihrem Leibe zu ſtoͤren? Welche Gattung von Empfindniſſen ich werde waͤhlen muͤſſen? Welche wohl den Flor des Lebens am gimmigſten anfeinden? Zorn? — dieſer heißhungrige Wolf frißt ſich zu ſchnell ſatt— Sorge? — dieſer Wurm nagt mir zu langſam— Gram?— dieſe
Natter ſchleicht mir zu traͤge— Furcht?— die Hoffnung laͤßt ſie nicht umgreifen— Was? ſind das all' die Henker des Men⸗ ſchen?— Iſt das Arſenal des Todes ſo bald erſchoͤpft?—
* Eine Frau in Paris ſoll es durch ordentlich angeſtellte Verſuche mit Giftpulvern ſo weit gebracht haben, daß ſie den entſernten Todestag mit ziemlicher Zuverlaͤſſigkeit voraus beſtimmen konnte. Pfui uͤber unſere Aerzte, welche dieſe Frau im Prognoſticiren beſchaͤmt!
Schillers ſaͤmmtl. Werke. II. 4


