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Vortheil erwartet werden konnte, während Konſtanze ſelbſt, müßig in ihrem einſamen Zimmer, ſich ohne Rückhalt dem verführeriſchen Reize eines heimlichen Briefwechſels hingab, ohne die Stimme ihres beſ⸗ ſeren Selbſt zu vernehmen.
Ein Liebender erhält niemals eine ſo entſchie⸗ dene Herrſchaft, als wenn Verfolgung ihn zum Gegenſtand der Theilnahme macht. Ein gewiſſer Grad von Mitleid verbindet ſich mit der Liebe; zu⸗ mal wenn die Möglichkeit einer Zuſammenkunft durch Vorſichtsmaßregeln abgeſchnitten iſt: dies begünſtigt den brieflichen Verkehr und ertheilt einer Leiden⸗ ſchaft, welche vielleicht unter gewöhnlichen Umſtänden aus Mangel an Anregung verflogen wäre, einen geheimnißvollen Reiz. Durch die Trennung von Liebenden gewinnt in der That ihre Neigung nur Stärke und Eintracht; es vermehrt den Stolz, die Selbſtliebe beider Theile, und die Leidenſchaft er⸗
hält den Beiſtand einer Menge von Hülfsmitteln,
die mehr zu fürchten ſind, als ſie ſelbſt. Diejenigen, welche, ſich ſelbſt überlaſſen, ſich nur geliebt und das harte Schickſal angeklagt hätten, werden heftig, hart⸗ näckig und von einem Geiſt des Märtyrerthums be⸗ lebt, wenn unbeſonnene Dazwiſchenkunft einem von beiden Theilen Zwang anlegt. So geſchah es auch bei Konſtanze Roſenthal, daß die Mittel, die man


