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Roſenthal,„wer hat Dir ſolche überſpannte Ge⸗ danken in den Kopf geſetzt?“
„Niemand. Dies ſind die Gefühle, welche die Ehre und die Liebe einflößt. Ich bin dem Fräulein von Lindenberg angelobt, und Sie beſitzen nicht die Kraft, uns zu trennen.“
„Höre mich, Albert: die Tochter eines Dema⸗ gogen ſoll nicht in meine Familie treten. Lindenberg iſt geſtürzt. Der Hof glaubt von ihm, er habe Oeſt⸗ reich, ganz Europa den Schrecken der Revolution preisgeben wollen. Ehrgeiz war ſeine Leidenſchaft, Gewalt war ſein Ziel— ein zweiter Robespierre“—
„Halten Sie ein,“ unterbrach ihn Albert.„Dieſe Behauptungen ſind eben ſo verächtlich wie die Quelle, aus der ſie fließen. Wie ſich die ſchädlichen Dünſte in Thau auflöſen, wenn die Strahlen der Sonne hervorbrechen, ſo müſſen dieſe vorübergehenden Wolken ſich zertheilen, wenn die Stimme der Wahr⸗ heit gehört wird.“
„Zweifelſt Du an der Wahrhaftigkeit Deines Vaters?“ rief er bitter.
„Nein, aber ſeine Leichtgläubigkeit macht mir Zweifel. Welche Beweiſe können Sie beibringen? Das Eindringen eines Franzoſen, des jungen Las Caſes, in den Palaſt von Schönbrunn? Beweist denn der kühne Geiſt eines Abenteurers, daß Lindenberg


