Teil eines Werkes 
1. Band (1839)
Entstehung
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der Freiherr ſich eine Reihe von Jahren hindurch ſo hervorragend ausgezeichnet hatte.

Der Erminiſter und ſeine Familie legten die erſte Tagreiſe auf dem Wege nach ihrem Erbgute in freudloſem Schweigen zurück. In den Wagen

Zurückgeſunken, ihre Augen immer aufs Neue wieder

mit Thränen gefüllt, lehnte ſich Frau von Lin⸗ denberg, Hülfe ſuchend, an die Schulter ihres Gatten. Sie hatte ſich noch nicht erholt von dem unerwarteten Schlage, der durch das unglückliche Ereigniß, das ebenſo das perſönliche Glück iäres Gatten als das künftige Wohl ihrer Kinder ge⸗ fährdete, ihre Gefühle getroffen hatte. Sie litt unter der zwiefachen Demüthigung der Gattin und der Mutter.

Der Baron, deſſen Geiſt von ſtärkerem Stoffe war, theilte ihren Kummer, aber ohne ihn äußerlich

zu zeigen. Er war auch mehr um ihret⸗ als um

ſeinetwillen bekümmert, und die zarte Hand drückend, die ſeinen Liebkoſungen überlaſſen war, verſuchte er es, die Leiden zu lindern, die er nicht heben konnte.

Ella, bleich aber thränenlos, ſaß ihren Eltern gegenüber. Sie neigte ihr Haupt kummervoll dem offenen Fenſter des Wagens zu und betrachtete mit ſchmerzlichem Blicke die wechſelnden Schönbeiten

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