Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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9.

Herz, mein Herz, was ſoll das geben? Was bedränget dich ſo ſehr?

Welch ein fremdes neues Leben!

Ich erkenne dich nicht mehr.

Weg iſt alles was du liebteſt,

Weg warum du dich betrübteſt,

Weg dein Fleiß und deine Ruh

Ach wie kamſt du nur dazu!

Göthe.

Auch unſer Freund hatte in der gleichen Nacht eine Viſion, obwohl von andrer Art. Denn als er auf dem Wege nach ſeiner Wohnung am alten Schloſſe vorüber kam, ſah er einen Wagen, von ermüdeten Pferden gezogen, langſam auf daſſelbe zufahren. Er begegnete ihm ganz in der Nähe, und eine weibliche Geſtalt beugte ſich etwas heraus. Der Schein einer Laterne fiel auf ſie und zeigte ihm ein Geſicht von ſo wunderbarem Ausdruck daß er in ein Märchen hineinzuſehen glaubte; zwei friſche, prächtige Au⸗ gen funkelten ihn fragend an. Es war wie ein Blitz, dem Lichtſchimmer folgte ein Schatten und nahm die Erſcheinung hin⸗ weg. Der Wagen fuhr ins Schloß.

Ein doppelter Lichtblick! ſagte Heinrich, der auf dem Platze ſtehen blieb und in das dunkle Portal des Schloſſes hineinſtarrte. Er wäre noch lang ſo geſtanden, aber auf der Stiftskirche nebenan ſchlug es zwölf Uhr und das ſilberne Glöckchen erinnerte ihn ſeine Gedanken aus der Irre zuſammenzurufen und heimzubringen.