— 302—
mir ein liebenswuͤrdiges junges Weib vor, das, einen Knaben an der Hand, ein allerliebſtes Kind von ſechs Monaten auf dem Arme, aus einem Seitenwege hervortrat, und plötzlich, zu unſerer Ueberraſchung, vor uns ſtand.
Henriette ſchlug die Augen nieder. Sie hatte uns belauſcht. Ihr liebenswuͤrdiger Gatte nahm den aͤltern Knaben auf den Arm, kuͤßte das holde Weib, und freundlich laͤchelnd, verzeihend, ſchie⸗
den ſie von mir.
Oft noch war ich mit beiden herrlichen Men⸗
ſchen zuſammen, und wenn ich mich erinnerte, wie hart ſie gepruͤft worden waren, da traten mir im⸗ mer Thraͤnen in die Augen, und ich fuͤhlte es tief⸗ daß nur die Ehe gluͤcklich ſein koͤnne, deren Bande gegenſeitige Liebe geknuͤpft habe, und daß nur die Liebenden eines ſolchen Gluͤckes wuͤrdig waͤren, die alle Pruͤfungen des Lebens muthig beſtanden haͤt⸗
ten, ohne je in ihren Gefühlan und Geſiunungen
zu wanken.


