„Sie ſprachen ſehr richtig, verehrte Graͤ⸗ fin,“— erwiederte ich gleichfalls ernſt—„auch das Blatt iſt ein Geſchoͤpf Gottes, und hat Anſpruͤche auf ſein Vaterherz und Vervoll⸗ kommnung. Wir alle koͤnnen das innere Leben eines Baumes, eines Blattes, einer Bluͤthe nicht beurtheilen. Wir wiſſen nicht, welchen Schmerz das Umhauen eines Baumes ihm verurſacht; oder einem Blatte, wenn man es vom Zweige losreißt, oder einer duftenden Blu⸗ me, wenn man ſie bricht. Daher ruͤhrt der fromme Glaube der Alten, daß jeder Baum von einer Dryade bewohnt werde; daher die Heiligkeit der Haine bei den Voͤlkern aller Zei⸗
ten und aller Himmelsſtriche.“ 4
Louiſe legte, in Nachdenken verſunken, die
Hand an die Stirn, und ging langſam weiter.
Dieſer Gedanke ſchien ihr neu zu ſeyn.
Ich fuhr fort:„Gehen wir von dem Pflan⸗ zenreiche, das wir wohl mit Unrecht leblos nen⸗ nen, da wir das innere Leben der Gewaͤchſe nicht beurtheilen koͤnnen, zu dem Thierreiche


