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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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den meiner Jugendzeit dort zugebracht, den Homer oder Telemach auf dem Graſe vor mir aufgeſchlagen. Ich ſtreckte mich gerne auf dem warmen Raſen aus, den Kopf auf den Ellbogen geſtützt und den Band vor mir, deſſen Linien mir oft durch Mücken oder Eidechſen ver⸗ deckt wurden. Nachtigallen erfreuten uns mit ihrem Geſang, ohne daß man je ihre Neſter oder nur den Aſt entdecken konnte, von welchem ſie ihre Lieder herab⸗ ſchmetterten.

Dieſes Gebüſch war der Stolz, die Erinnerung, die Freude Aller. Der Gedanke, es in ein Säckchen Thaler zu verwandeln, an dem ſich das Herz nie wie⸗ der in der Erinnerung laben konnte, das uns keine Freude, keinen Schatten mehr leihen ſollte, wäre Nie⸗ mand in den Sinn gekommen, außer einer Mutter, welche die Angſt um das Leben ihres einzigen Sohnes faſt tödtete; und meine Mutter kam auf dieſen Ge⸗ danken.

Mit dem raſchen Inſtinkt und der feſten Entſchloſ⸗ ſenheit, die ſie charakterifirten, und ohne Zweifel auch in der Befürchtung, es möoͤchte ſie gereuen oder mein zärtlicher Widerſtand ſie daran verhindern, wenn ſie mich vorher zu Rathe zöge, ließ ſie bei ihrem Erwachen Holzhauer kommen, unter Thränen die Axt an die Wurzeln legen und wandte ſich dann weg, um den Fall und das Aechzen dieſer alten Zufluchtsſtätten ihrer Jugend auf dem erdröhnenden und nackten Boden des Gartens nicht zu hören.

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Als ich am folgenden Sonntag nach Merr zurück⸗ kehrte, ſuchte ich mit dem Auge von der Höhe des Berges herab die Baumgruppe, die den Hügel ſo an⸗ muthig kleidete und der Sonne einen Theil der grauen Mauer des Hauſes entzog, und meinte zu träumen, als