5
13 gleich ſchöpferiſch und bedürftig iſt, der die ſüßen Früh⸗ lingsknospen und Blätter, die er hervorbringt, zugleich als Raupe benagen muß.
Doch all' dergleichen berechnender und beruhigender Gedanken mußte ſich der Freund jetzt entſchlagen, denn ſchon ſtieg er die Wendeltreppe zu Roſaliens Wohnung hinauf. Er klopfte an die zweite Thüre, und fragte den öffnenden Diener nach Roſalie Zanotti.
Sie iſt unwohl und zu Bette, erwiderte ſtotternd und verlegen der junge Menſch.
Gar nicht zu ſprechen? Auch nicht in dringend wich— tiger Angelegenheit? fragte William.
Euer Name und Anliegen? flüſterte der Page.
William nannte ſich, und fügte hinzu, er komme von einem Freunde Roſaliens, mit guter Botſchaft, die ihr ge⸗ wiß angenehm ſein würde.
Der Diener lehnte die nur ſchmal geöffnete Thüre zum innern Gemach hinter ſich an. Ein männlicher Tritt mit Sporen, ein Flüſtern und verhaltenes Kichern war zu hören. William dachte nichts dabei, und ſah ſich unbe⸗ fangen in dem geſchmackvoll eingerichteten Zimmer um.
Bald kam der Page zurück, und meldete noch verle⸗ gener in ziemlicher Entfernung, ſeine Gebieterin könne ihn nicht ſprechen, ſie ſei nicht wohl genug für neue Be⸗ kanntſchaften.
Geh, rief William empfindlich, und ſage deiner Gebieterin, ich ſei zu wohl für ungeſunde Bekanntſchaften, käme daher nicht in meiner, ſondern in ihrer eigenen An⸗ gelegenheit und wünſche zu wiſſen, wann ich ſie im Na— men des Grafen Southampton etwas beſſer finden würde;


