4 498—
ternd, heulend, und im Beſitz aller möglichen Waffen zu jedem Ver⸗ brechen aufgelegt, umher. Sie ſperrten den Brand ab, wie ſie ſagten, d. h. ſie ließen ihrem Wüthen in Kleindeutſchland keine Intervention zu.
Moorfeld mußte ſeine Verſuche, an jenen Schauplatz des Unglücks durchzudringen, der Reihe nach aufgeben. Bei dieſer verhängnißvollen Unmöglichkeit blieb ihm nichts übrig, als der ſchwache Troſt, daß die Inſaſſen des grünen Baums vielleicht eben im Stadthauſe ſelbſt ein momentanes Aſyl gefunden. Das Geſchrei nach dem Blute der Deutſchen, das wolfsgierig zu allen Fenſtern hineinheulte, ſchien dieſe Vermuthung zu erlauben. Freilich blieb es dann zweifelhaft, wie lange dieſer Schutz ausreichen und ob die anarchiſchen Rotten nicht zum Sturm ſelbſt vorſchreiten würden. Wie frech ihre Dictatur das obrigkeitliche Anſehen mit Füßen trat, davon ſah Moorfeld mit eigenen Augen eine Probe. Als das Mord⸗ geſchrei nach den Deutſchen den wildeſten Grad erreicht hatte, trat der Mayor von Newyork mit einigen Aldermens auf den Balkon. Meine Herren, haranguirte er die Aufrührer, wir ſind ſoeben mit dem Ver⸗ höre der geflüchteten Deutſchen beſchäftigt, und machen Sie darauf auf— merkſam, daß Ihre Ungeduld um prompte Juſtiz nur geeignet iſt, das Werk der Juſtiz aufzuhalten. Ich verſichere Sie übrigens als Gentle⸗ man, daß eine exacte Gerechtigkeit gehandhabt werden ſoll. Sie mögen ſich, meine Herren, über dieſen Punkt vollkommen beruhigen. Bis da hin empfehle ich die Stadt Ihrem Schutz und hoffe zu der Loyalität freier und aufgeklärter Bürger, daß Sie einer ſo billigen und geſetz⸗ lichen Aufforderung Folge leiſten werden.— Moorfeld traute ſeinen Ohren nicht, als er in dieſen Worten Newyork in die Discretion von Meuterern ſtellen hörte. Wo bleibt die Polizei, die Stadtmiliz? fragte er ſtaunend einen wohlgekleideten Bürger neben ſich. Ich rathe, Miſter, wir thun wohl, das Wort Polizei und Stadtmiliz heute nicht auszu⸗ ſprechen, antwortete dieſer erſchrocken und rückte von Moorfeld's Seite. Die Rowdies aber waren von der Anrede des Mayors noch ſo wenig befriedigt, daß ſie mit einer Feuer pritze vorfuhren und unter betäu⸗ bendem Gebrüll einen Waſſerſtrahl auf das Haupt der Stadtobrigkeit ſchleuderten.
Moorfeld kehrte wieder um. Unvermögend, dem Brennpunkte die⸗ ſer Frevel einen Zugang abzugewinnen, noch mehr, irgend eine nütz⸗ liche That zu thun, mußte er ſich darauf beſchränken, in Europa aus


