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Der Meißel, der ihm beſtimmt war, ging auf Jenny, meine zweite Tochter über. Die duldet, ſo weit ſich dulden läßt. Charakterfeſter wie⸗ der iſt mein viertes Kind, Cöleſte. Ihre Specialität iſt die Poeſie Die Entſcheidung dafür dabirt von einem Zufalle. Wir erwarteten den Papa von ſeiner zweiten europäiſchen Reiſe zurück, es war im Jahre zweiundzwanzig. Cöleſtine ſtand im ſiebenten Jahre. Ma, ſagte ſie, ich will den Pa mit einem Gedichte empfangen. In der That ſchrieb das Kind in dieſem Alter ein paar franzöſiſche Strophen, an denen ich wenig oder nichts zu corrigiren fand. Bennet aber kam direct von Genua, von der poetiſchen Hofhaltung Lord Byron's. In welchem Zuſtand ſeiner Jmagination, mögen Sie ſelbſt denken. So trat ihm nun ein kleines, ſtammelndes Kind an der Schwelle ſeines Hauſes entgegen, mit einem Orangeblüthenzweig in der Hand, mit dem Wohl⸗ laut ſelbſtgedichteter Verſe auf den Lippen— verhängnißvoller Eindruck! Wer dieſes Kind nicht für den erſten Genius ſeiner Zeit hielt, der verlor ſeinen Anſpruch auf Bildung. Bennet war außer ſich. Auf, auf, Bücher! Lehrer! Studirlampen! welche Vaterpflichten ſind hier zu erfüllen! Schlaf, Spiel, Erholung,— gemeine Einreden! Der verſteht den Genius ſchlecht, der nicht weiß, daß er an ſich ſelbſt ſich erholt. Es gibt nur Eine Erholung von der Arbeit,— die Arbeit!
Nun iſt aber Cöleſte eigen geartet. Die ganze Wucht der väter⸗ lichen Erziehungstyrannei drückte auf ſie überwiegend, und doch war ſie es zugleich, die am wenigſten klagte. Sie hatte Ehrgeiz. Was immer ihr auferlegt wurde, ſie verrichtete es nicht nur, ſie that noch drüber. Sie rivaliſirte gleichſam mit ihrem Vater. Die Thränen traten mir oft ins Auge, das Mädchen zu ſehen. Statt mit dem Roth der Ge⸗ ſundheit, mit der feinen geiſtigen Glut des Wetteifers auf den Wan⸗ gen ſaß ſie da, überbot ihre Aufgabe, überbot ſich ſelbſt und brannte vor Begierde, zu überraſchen. Nicht der Vater, der Gentleman nur allein, hätte ſeinen Degen ſenken müſſen vor der Galanterie ſeines Kindes. Leider! Bennet war nicht zu überraſchen. Seine Anſprüche wuchſen mit der Befriedigung, und das arme Kind erarbeitete ſich nur Mißhandlungen. Da wandte ſich ihr Herz. Mit dem Stolze des beleidigten Adels trat fie in ſich zurück. Ihre Stimmung wurde eine gereizte, feindſelige. Sie ließ alle Forderungen über ſich ergehen und ſchärfte ſich trotzig die Lippen dazu. Sie machte nicht den Eindruck einer leidenden Na⸗


