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dort wird herrlich und in Freuden gelebt, während hier der Plebs verhungert!“
Die Bitterkeit, mit der Scharf das ſagte, machte auf den langen Chriſtian einen tiefen Eindruck.
„Gott ſei Dank, ſie ſind nicht alle ſo,“ fuhr der Weber fort, während er langſam an der Seite ſeines Begleiters der Spinnerei zuſchritt,„aber unter den Wenigen, die noch arbeiten laſſen, ſind die Meiſten keinen Schuß Pulver werth. Sie benutzen die Noth und das Elend, um den Arbeitslohn zu erniedrigen, Abzüge wegen leichter, faſt unvermeidlicher Webefehler zu machen, die der Arbeiter ſich zu anderen Zeiten nicht gefallen laſſen würde, und was der⸗ gleichen Blutſaugereien mehr ſind. Wir müſſen es jetzt dulden, der Hunger thut weh und ſeine Angehörigen kann Niemand dar⸗ ben ſehen, der ein Herz im Leibe hat. Der da, für den ich arbeite, iſt auch keiner der Beſten, wenn Ihr ihn in ſeiner Gloria ſehen wollt, ſo kommt mit hinein.“
„Darf ich?“ ſagte der lange Chriſtian.
„Weshalb nicht? Wenn Ihr gefragt werdet, ſo ſagt, Ihr ſuchtet Arbeit, die Ausrede genügt.“
Zögernd folgte Scherenberg dem Weber, der einen langen dunklen Gang durchſchritt und dann in ein ſchmales enges Zim⸗ mer trat, in welchem ein langer Tiſch und mehrere Bänke ſtanden.
Auf dieſen Bänken ſaßen mehrere Perſonen, Männer und Weiber, welche, ihre Leinwand auf dem Schooß, geduldig warteten, bis die Reihe der Ablieferung an ſie kam.
In den abgehärmten Zügen Aller las der lange Chriſtian den Druck der Nahrungsſorgen.—
Als die Beiden eintraten, ſtand ein alter Mann mit ſchnee⸗ weißem Haar vor dem Tiſche, auf welchem der Werkmeiſter des Fabrikanten die abgelieferte Arbeit zählte. Neben dieſem Werk⸗ meiſter ſtand der Fabrikant ſelbſt und wenn man nur einen ein⸗ zigen flüchtigen Blick auf das wohlgenährte, aufgedunſene Geſicht dieſes Herrn warf, ſo wußte man ſofort, daß man bei ihm kein Mitgefühl, keine Nachſicht ſuchen durfte.
„Schlechte Arbeit!“ ſagte der Werkmeiſter und„Miſerable Arbeit!“ wiederholte der Fabrikant geringſchätzend.
„Herr, das hat mir noch Niemand geſagt,“ erwiderte der Greis, vor innerer Erregung zitternd.„Ich ſitze nun ſchon ſeit vierzig Jahren am Webſtuhl und noch nie hat ein Fabrikant mir geſagt, daß meine Arbeit ſchlecht ſei.“
„So ſage ich's Euch!“ verſetzte der Fabrikani trocken.
„Die Kette iſt Millionenmal geknüpft, zerriſſen und wieder geknüpft, der Einſchlag ſo locker wie ein Haarſieb,“ bemerkte der


