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Nacht die Leiche eines ſchon ziemlich bejahrten Mannes gelandet fei, die mindeſtens ſechs bis acht Tage im Waſſer gelegen haben müſſe. Das Signalement, ſo weit es feſtzuſtellen war, ſowie die Beſchreibung des Anzuges waren beigefügt.
Otto hatte eben dieſe Anzeige geleſen, als eine ihm bekannte Stimme ſein Ohr traf.
Erinnerte er ſich ihrer auch nur dunkel, ſo unterlag es doch für ihn keinem Zweifel, daß er ſie ſchon oft gehört hatte.
Er erhob ſich unwillkürlich,— es war die Stimme eines Frauenzimmers.
Die Gaſtſtube ſtand mit dem Hausflur durch ein kleines Fenſter in Merbinduna⸗ Otto ſchob die hellgelbe Gardine zurück und blickte hinaus.
Eine hohe ſchlanke, elegant gekleidete Dame ſtand vor dem Wirth, ein dichter, ſchwarzer Schleier verhüllte ihr Geſicht.
„Können Sie mir nicht ſagen, wo ich die Leiche finde, die man hier aus dem Rheine gezogen hat?“ fragte ſie, und der Accent, mit dem ſie einzelne Worte ausſprach, bewies ſofort, daß ſie keine Deutſche war.
„Das weiß ich nicht,“ erwiderte der Wirth, der raſch mit einem neugierigen Blick die Fremde gemuſtert hatte,„auch glaube ich, Ihnen vor dem Anblick derſelben abrathen zu müſſen. Wenn es Sie intereſſirt, zu erforſchen, ob—“
„Ich vermuthe, daß dieſer Unglückliche mein Onkel iſt, der oft an Schwermuth litt.“
„So bemühen Sie ſich nur zum Unterſuchungsamt, man wird Ihnen dort die Kleider und was man in den Taſchen gefunden hat, zeigen.“
Die Dame nickte dankend und bat um einen Führer, da ſie
ſelbſt in Mülheim unbekannt ſei.
Der Wirth erfüllte dieſe Bitte, er beauftragte eine Magd, die Dame zu begleiten.
Sichtbar erregt ließ Otto die Gardine fallen.
„Weißt Du, wer draußen iſt?“ flüſterte er ſeinem Freunde zu, der leſend am Tiſche ſitzen geblieben war.
Nikolas blickte fragend auf.
„Wie kann ich's wiſſen?“ entgegnete er ruhig.
„Es wird Dich überraſchen—“
„Na, ſo ſprich!“
„Marie Latour!“
„Die Tochter unſeres früheren Meiſters—“
„Dieſelbe.“ 1
„Ah— mach' keinen ſchlechten Scherz.“. „Ich denke nicht daran,“ erwiderte Otto ernſt, während
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