Jahrgang 
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gegangen, neunzig der angeſehenſten Ritter hatten Halt gemacht, und ruhten und erfriſchten ſich in dieſem Thal.

El Zagal lächelte voll wilder Freude, als er von ih⸗ rer nachläßigen Sorgloſigkeit hörte. Hier gibt's Tro⸗ phäen,» ſagte er,«unſern Einzug in den Alhama zu ſchmücken.»

Er näherte ſich dem Thal mit vorſichtiger Stille, ſchwenkte mit aller Eile in es hinein, und griff an der

Spitze ſeiner Truppe die Chriſten ſo plötzlich und wuͤthend

an, daß ſie nicht Zeit hatten, ihren Roſſen die Zäume anzulegen, oder auch nur in die Sättel zu ſpringen. Sie vertheidigten ſich ohne Ordnung aber mit Tapferkeit, fochten unter den Felſen und in dem ſteinichten Bette des Fluſſes. Ihr Widerſtand war unnütz, neun und ſiebzig wurden erſchlagen, die übrigen eilf gefangen genommen.

Ein Theil der Mauren ſprengte der Viehheerde nach, und holte ſie bald ein, als ſie ſich langſam um einen Hü⸗ gel herumwand. Die Reiter, welche ſie geleiteten, nah⸗ men, als ſie den Feind in einiger Entfernung bemerkten, die Flucht, und ließen ſich die Beute von den Mauren wieder abnehmen.

El Zagal ſammelte ſeine Gefangenen und die Beute, und zog, ſtolz auf den Erfolg, weiter nach Granada. Er wartete vor dem Thor von Eloira, denn bis jetzt war er noch nicht zum Könige ausgerufen worden. Dieſe Förm⸗ lichkeit wurde ſogleich vorgenommen, denn der Ruf von ſeiner eben vollbrachten Waffenthat war ihm zuvorgeeilt,

und hatte die Gemüther des thörichten Volks beſtochen.