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Münchhauſens Biographie. 155
Man kann leicht denken, wie gut dieſer Beweis unſter Aufmerkſamkeit aufgenommen wurde. Inzwiſchen hatte unſer Herr Oberpfarrer von einem Ofſicier dieſes Truppen⸗ Corps eine harte Kraͤnkung auszuſtehen. Dieſer Officier war verwegen genug geweſen, auf dem mit Obſtbaͤumen ge⸗ zierten Kirchhof in Geſellſchaft eines Frauenzimmers am hellen lichten Tage ſpazieren zu gehen, und der Herr Paſtor, er⸗ zurnt uͤber dieſe Ruchloſigkeit, fand fuͤr gut den armen Krieger am naͤchſten Sonntag von der Kanzel zu werfen und das Frauenzimmer mit der Delila zu vergleichen. Der beleidigte Officier merkte ſich dies und ſchickte dem Herrn Oberpfarrer am folgenden Tage nachſtehendes Schreiben zu:
Tantaene animis coelestibus jrae!
Ew. Wohlehrwurden haben fur gut gefunden, mir durch Dero ſonntagige Predigt einen neuen Beweis zu geben, daß viele Mitglieder Ihres Standes keineswegs die Lehren auszuuͤben pflegen, welche ſie Andern verkuͤnden. Sie lehren andern Leuten: Richtet nicht, ſo werdet auch ihr nicht ge⸗ richtet! und deſſenungeachtet erlauben Sie ſich ſelbſt liebloſe urtheile, die Sie im Prieſterornat dem ganzen Volke vor⸗ tragen. Inzwiſchen ſei es fern von mir, Ihnen eine mora⸗ liſche Abhandlung halten zu wollen; da ich aber mich durch Ihren ſinnreichen Vergleich in den bethoͤrten Simſon


