122 Münchhauſens Viographie.
grundſätze, in Danzig lernte ich bei Benzmann und Reyher das Wohl des Vaterlandes beherzigen, in Dresden verfeinerte ich meinen Ton bei Perini und ſtudirte die Einrichtung einer kunftig in Schilda einzufuͤhrenden Cenſur, in Leipzig erkundigte ich mich bei Herrn Wigand nach der Speculation beim Buchhandel, in Deſſau las ich die vortreffliche höchſt unterhaltende Beſchreibung von Worlitz, nahm Unterricht in der angenehmen und orthodoxen Declamation und war kaum wieder wegzubringen, weil man beim Herrn Kellermeiſter im Ringe unvergleichlich gut ſpeiſ't; in Coburg ſtudirte ich Ar⸗ chitektur, in Nuͤrnberg Finanzwiſſenſchaft, in Regensburg geſchwinde Betreibung der Geſchaͤfte, in Muͤnchen Aufklä⸗ rung u. ſ. w.
Magiſter Cerfulus, mein Hofmeiſter, ließ ſich unterwe⸗ gens alle Kataloge geben, deren er habhaft werden konnte, um daraus ein wichtiges Werk zur Bibliothekengeſchichte Deutſchlands zuſammenzuflicken. Hauptſächlich war der Zweck ſeiner Reiſe auf Kunſtkenntniß gerichtet, worin er ſehr ſtark war, wie einige Opera, die er hernach aws Tages⸗ licht geſtellet, deutlich beweiſen. Wie glänzend ſeine Ver⸗ dienſte in dieſer Hinſicht waren, mag ein Geſpraͤch, das er mit dem Aufſeher einer beruͤhmten Galerie hielt, darthun.
Der Aufſeher. Sehen Sie einmal dieſen Vespaſian! Was halten Sie davon?


