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ich von dieſem Augenblicke an mit Aufmerkſamkeit für meine Nachbarin erfüllt war.
Ich rückte zuſammen, um ihr mehr Platz zu ver⸗ ſchaffen; ich bog meinen Kopf nicht mehr vor, aus Furcht, ſie zu geniren.
Ich griff ſelbſt nicht mehr in die Taſche, mein Schnupftuch hervorzuholen, aus Furcht, ihren Arm zu berühren.
Wozu dies Alles mir nützen kann, weiß ich nicht; aber daß es mir nicht ſchaden kann, iſt gewiß.
Vor mir ſitzt eine Dame, die ſehr kokett zu ſein ſcheint. Ich habe ihr Geſicht noch nicht ſehen können, denn ſie trägt einen Hut und ſitzt unmittelbar vor mir; meine beiden Kniee würden ihr als Stuhl⸗ Lehne dienen können, wenn ich ſie etwas vorſtreckte; ich zog ſie aber ſoviel als möglich zurück, um dieſe Dame nicht zu incomodiren; aber die Bänke ſtehen ſo nahe an einander, daß eine Berührung der vor mir ſtehenden Bank unvermeidlich war, und ich konnte beurtheilen, daß ſie eine lobenswerthe Härte hatte.
Glauben Sie ja nicht, daß in mir die Luſt rege ward, irgend eine indecente Pantomime auszuführen; ich kann Sie verſichern, daß dies mein Fehler nicht iſt, und wenn meine Kniee ſich auch von Zeit zu Zeit an das ſtießen, was von der Dame über die Bank hinwegragte, ſo iſt dies die Schuld der Theater⸗ Direction, welche nicht Zwiſchenraum genug zwiſchen den Bänken gelaſſen hat; aber in dieſem Augenblicke gebrauche ich keinen.
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