Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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Tiefer Schrecken ergriff alle franzöſiſchen Gemüther. Dennoch kämpften ſie tapfer. War es vorhin das Gefühl der Verzweif⸗ lung, das ſie in den Kampf trieb, ſo war es jetzt die Furcht vor Schande Beſiegt, aber und abermals beſiegt, ſie, die Mitglieder der großen Nation, ſie, die erſten Soldaten der Welt, die in Aſien, Afrika und Amerika gekämpft hatten. O, das war zu viel für ihre Eitelkeit, ſie gingen mit der Blutgier reißender Thiere los, ſie zeigten ſich als Schakals und Hyänen.

Seht, wie der Kerl auf Händen und Füßen kriecht, kaum iſt er neben ſeinem Opfer, ſo ſpringt er empor und ſtößt ihm den Dolch in ſeine Gurgel. Dort liegt ein Todter, unbefangen ſteigt der deutſche Soldat über ihn hinweg, da zuckt ein Meſſer in der Hand der vermeintlichen Leiche, und in den Unterleib getroffen, ſinkt der Krieger hin. Sie thun, als wären ſie auf der Flucht, dann ſtehen ſie, als wollten ſie ſich ergeben, doch kaum ſind ihnen die Dragoner nahe genug, da kracht es von allen Seiten, da ſtürzen Roß und Mann zuſammen.

So litten die todesmuthigen Gardereiter bei ihrer blutigen Jagd ganz fürchterlich. Auch die Kavallerie⸗Brigade des Generals von Bredow, ein Käraſſier⸗ und ein Ulanen⸗Regiment, die drei feindliche Treffen durchbrach, und ein Theil der Ziethen'ſchen Hu⸗ ſaren, welcher zwei franzöſiſche Bataillone niederritt, hatten ent⸗ ſetzliche Verluſte.

Ja, es war ein opferreicher Tag, der Tag von Mars la Tour!

Unzählige Todte bedeckten das Schlachtfeld, und als am Abend der Donner der Kanonen verſtummte, ließ ſich ein anderer, weit ſchmerzlicherer Ton vernehmen. Es war das Gewinſel der Sterbenden, der furchtbare Schmerzensſchrei der Verwundeten. Kein Ohr, das jemals dieſen Ton vernommen hat, wäre im Stande, ihn jemals wieder zu vergeſſen.

Aber in aller dieſer Noth und unter den gräßlichſten Schmer⸗ zen erhob und belebte ein ſtolzes Gefühl die Bruſt der deutſchen Krieger: ſie hatten geſiegt!

Die Deutſchen behaupteten das Schlachtfeld, todmüde ſchlie⸗

fen ſie unter Sterbenden und Leichen. Der Marſchall Bazaine