—
0
Mönche wohl Recht gehabt haͤtten, daß ſie das Ober⸗ haupt eurer Armeen fuͤr den Antichriſt ausgegeben, und er zweifelte daran keinen Augenblick mehr, als er erfuhr, daß der hohe Fremde ſo eben ins Bad gegangen ſei. Dieſe neue Sitte gieng in ſeinen Au⸗ gen weit uͤber die Grenzen menſchlicher Narrheit hin⸗ aus.„Es iſt ja doch gar nicht warm,“ meinte er;„wie kann denn der Kaiſer Luſt haben ſich zu baden? Im Sommer freilich iſt der Manzanares ohne Waſſer, indeß man wuͤhlt ſich da in den Sand des Strombettes ein, und genießt in dieſen feuchten Loͤchern eine angenehme Kuͤhlung.“ Durch die taͤg⸗ lichen Waſchungen, das ſchnelle Reiten, die fort⸗ waͤhrenden Arbeiten des franzoͤſiſchen Monarchen wurden indeß die Anſichten des Kaſtilianers ſo ganz umgewandelt, daß er zulezt gegen den Kaiſer eine Art von Verehrung und Anbetung an den Tag legte. Alle Furcht war bei ihm nun verſchwunden, blos das Staunen war in ſeiner Seele zuruͤckgeblieben, und dieſes Staunen nahm von nun an eine edlere Geſtalt an. Nie hat irgend ein Mann in dieſem Grade die Kunſt verſtanden, auf die Einbildungskraft ſeiner Mitmenſchen einen ſo gewaltigen Eindruck zu machen. Ich bin uͤberzeugt, daß noch heutigen Tages dieſer Eindruck bei dem einfachen Landmanne nicht ver⸗ ſchwunden iſt, und daß ein Reiſender, wenn er nach Chamartin kaͤme, ſehr bald ſehen wuͤrde, wie jede Ruͤckerinnerung an den furchtbaren Bewohner dieſes Reſidenzſchloſſes in der Seele dieſes Mannes eine aberglaͤubiſche Bewunderung weckt.


