Teil eines Werkes 
Dritter Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———————

22

oder wahrgenommen, daß meine Sprache nicht die der blinden Leidenſchaft ſei, als auch ſogleich alle wieder bavon eilten. Ich blieb auf dem Platze ganz allein zuruͤck, und der franzoſiſche General, der in San korenzo mein Freund geworden war, fuͤhrte mich nach dem Palaſte des Großherzogs von Berg.

Ich kraf den Fuͤrſten, wie er ſo eben zu Pferde in ſeine Wohnung heimkehrte, in jenes ungeheure Gebaͤude, welches ein Miniſter Karls des Dritten erbaut, worin Godoy vor kurzem ſein prunkhaftes Weſen getrieben, und worin nach dem Abgange des franzöſiſchen Feldherrn einige Jahre hinterher die Cortes von Cadix ihren Sitz aufſchlagen ſollten. Die ganze Geſchichte Spaniens bietet uns ein Bild dieſes ſeltſamen Wechſels der Dinge bar. Eine Regierung, die von Natur ſchwach war, weil die koͤnigliche Gewalt unumſchraͤnkt und ganz iſolirt war, konnte nicht lange ſich als tuͤchtig und weiſe bewaͤh⸗ ren. Auf die großen Miniſter eines großen Konigs folgte jener ungeſchickte und verdorbene Guͤnſtling, durch welchen der Staat zu gleicher Zeit einem feind⸗ lichen Einfall und der Anarchie preisgegeben wurde.

Jvachim empfieng mich mit jener ſtolzen Herab⸗ laſſung, die ihr gewiß an ihm oft bemerkt haben wer⸗ det. Er ſprach mit mir uͤber den Volksaufſtand wie ein Mann, der gewohnt iſt, nur den Widerſtand geregelter Heermaſſen zu begreifen; die Wuth des Volkshaufens floͤßte ihm blos eine tiefe Verachtung ein. Er kannte zu wenig den ſpaniſchen Character, um die Erſchutterungen beurtheilen zu konnen, die