Teil eines Werkes 
Erster Band (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

284

ich mich nicht uͤberreden, daß unſere heilige Religion durch abgottiſche Gebraͤuche befleckt ſein ſoll. Un⸗ ſer Spanien war unlaͤngſt noch ſo reich an großen Männern und an beruͤhmten Schriftſtellern; es hatte einen Adel, der ſo ſtolz vor ſeinen Beherrſchern, und Krieger, die der ganzen Welt ſo furchtbar wa⸗ ren! Die Liebe war hier ſo erhaben, ſo zart; jezt dagegen ſcheint ſie zu Eis erſtarrt, ja ſie vermag nichts mehr von alle dem hervorzubringen, was dem Privatleben Reiz und Wuͤrde verleiht, nichts von dem, was den Einfluß hoher Gefuͤhle und hoher Ge⸗ danken auf die Richtung der menſchlichen Schickſale beweiſet. Sage mir, geliebter Bruder, wird wohl dies neue Zeitalter, das ich uͤberall ankuͤndigen hore, dieſem hinſchmachtenden Koͤrper der Monarchie eine Seele wiedergeben? wird es bewirken, daß die Größe und die Schande nicht in Genoſſenſchaft treten koͤn⸗ nen, und daß es, um fuͤr einen Chriſten zu gelten, nicht mehr hinreichend ſein wird, blos die Kirchen⸗ feſte heilig zu halten, waͤhrend man dabei den Vor⸗ ſchriften des Evangeliums Hohn ſpricht? Wenn das wäre, ſo wuͤrde ich es wagen, in die Wuͤnſche mit einzuſtimmen, die ich von allen Seiten aͤußern hoͤre. Die Schande und das Elend koͤnnen keine gottliche Einrichtung ſein.“

In dem Augenblick, wo ich mich ſo eben freute, zu wiſſen, daß Maria jene aͤußere Ruhe wiederge⸗ funden habe, deren Abweſenheit die inneren Leiden bitterer macht, murmelte ein Ungewitter uͤber mei⸗ nem Haupte. Die Behoͤrden, die Großen, alle, die