daß Sie deren böſe Laune, welche nun ſchon drei Mo⸗ nate währt, zerſtreuen. Die Kaiſerin brennt von Be⸗ gierde, Ihre perſönliche Bekanntſchaft zu machen und nicht die Kaiſerin allein; Katharina, die Große, er⸗ wartet Sie; Katharina, die Kleine, ſeufzt nach Ihnen; der Hof, das Reich und ganz beſonders unſere Akade⸗ mie der Wiſſenſchaften hofft Alles von Ihnen. Kom⸗ men Sie alſo ungeſäumt und wenn Sie grauſam ge⸗ nug wären, uns Ihre Perſon noch länger vorzuent⸗ halten, ſo ſenden Sie Ihr Portrait. Wir werden hun⸗
dert Miniaturkopien davon anfertigen laſſen und es Alle auf dem Herzen tragen.“
Das war zu viel Weihrauch ſelbſt für die Philo⸗ ſophie eines Diderot. Und— Diderot war nicht blos Philoſoph, er war auch ein Weltmann— er war ga⸗ lant, er liebte die Frauen, beſonders wenn ſie jung und ſchön waren, und jedem der Petersburger Briefe lag auch ein Bild bei.
Das eine zeigte einen ſtolzen Kopf mit großen ausdrucksvollen grauen Augen und dem kleinſten Munde, die herrliche Büſte von einem breiten Ordensband um⸗ ſäumt, das zweite ein feines leidenſchaftliches Geſicht⸗ chen mit halbgeſchloſſenen dunklen Sammetaugen, beide geiſtvoll, beide ſchön, beide verlockend.
Diderot ſtand zwiſchen den beiden Portraits im


