Teil eines Werkes 
2. Band (1873)
Entstehung
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ſchmeichelnd, halb boshaft Katharina II. von Rußland getauft hatte(denn auch Semiramis hatte über die Leiche ihres Gemahls hinweg blutbefleckt den Thron beſtiegen) gehörte zu Diderot's Freunden und ſtand mit ihm wie mit Voltaire, Grimm und anderen großen und kleinen Geiſtern ihrer Zeit in lebhafter Korre⸗ ſpondenz.

Auch an dieſem ebenſo ſchönen als genialen weiblichen Pabſt wie er die Czarin nannte, übte Diderot ſeinen Witz und ganz beſonders ſpottete er über die franzöſiſchen Gelehrten, welche alle ihre Habe

in einem Schnupftuch mit ſich tragend, an den Hof

Katharina's zogen, um mit Diamanten überſäet von dort heimzukehren und das Lob der großen Frau und des heiligen Rußlands zu ſingen, und er ſpottete ſo lange, bis er ſich endlich ſelbſt entſchloß, diePhilo⸗ ſophin auf dem Throne zu beſuchen.

Es waren zwei Briefe von weiblicher Hand, welche ihn zu dieſem Entſchluſſe brachten, der Ausdruck von zarter Hand wäre bei denſelben nicht ganz am Platze geweſen, denn die Hände, von denen hier die Rede iſt, hatten kühn den Degen geſchwungen, rebelliſche Sol⸗ daten gegen ihren Kaiſer geführt, Blut vergoſſen und die eine hielt jetzt kräftig das Scepter eines großen Reiches, während die andere den goldenen Stab der