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todt. Seine hohen Paläſte ſind geſchloſſen. Die Fen⸗ ſter ſind verhängt. Alles ſcheint ausgeſtorben. Eine lautloſe Stille herrſcht. Das trockne Lauh von den Bäumen in der Mitte liegt auf den breiten Steinplat⸗ ten des Trottvirs, und Niemand, außer dem Wind iſt da, um es außzuſtören. Traurig hinter den weiten Eiſengittern ſtehen die hohen Bäume in der Mitte. Traurig ringsum ſtehen die ſchweigenden Paläſte und traurig darüber liegt der graue, einförmige Himmel.
So traurig wird es, wenn der bunte Gaukelzug des Lebens auszieht, und die Einſamkeit, das Schweigen und das Nachdenken hinter ihm einziehn.—
Eines von den vornehmen Häuſern dieſes ariſtokra⸗ tiſchen Quartiers jedoch iſt zu dieſer ungewöhnlichen Jahreszeit noch bewohnt. Dieſem Hauſe wollen wir unſern Beſuch abſtatten.
Hazlewvod⸗Hauſe iſt es nicht. Dieſes Haus, deſſen
weiße Säulen uns einſt in der Sommermondnacht ge⸗
glänzt, über deſſen weiche Teppiche wir damals geſchrit⸗ ten und in deſſen duftig⸗trautem Gemach wir damals das Erwachen des Morgens und der jungen Liebe be⸗ lauſcht— dieſes Haus ſteht todt da und öde und ver⸗ laſſen, wie die übrigen. Die Gemälde an den Wänden, um welche damals der Mondſchein und ſpäter die Mor⸗ genſonne ſo lieblich geſpielt, ſind in weiße Leinwand dicht verhüllt. Der Kronleuchter an der Decke, in deſ⸗ ſen Cryſtallglocken ſich das fröhliche Licht von Draußen ſo funkelnd gebrochen, iſt in gelben Flor aufgebun⸗ den. Liebe, Stolz, Treue, Furcht— alle die wechſeln⸗ den und ſtreitenden Gefühle, welche in dieſem Hauſe 157


