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Don Karlos / Saint-Réal. Aus den Werken des Abbe St. Real gezogen und übers. von S. L. Schmidt
Entstehung
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Koͤnigin von dem Leben zweier Neuvermaͤhllen

machte, die gluͤcktich genug ſind, ſich zu lieben.

Sie ſah im Konige einen Mann, deſſen Koͤrper ſie bloß beſaß und deſſen Seele nur Plaͤne des Ehrgeizes oder kalte Berechnungen der Politik füll⸗ ten. Und doch war ſie von ihm ſo heftig geliebt, daß der Genuß, weit entfernt, ſeine Leidenſchaft zu ſchwaͤchen, ſie vielmehr erhoͤhete. Ob nun vielleicht der Beſitz, der ſonſt die Begehrlichkeit der meiſten Maͤnner ſaͤttiget, die ſeinige nur mehr

reizte, indem er ihn fortdauernd verborgene An⸗

nehmlichkeiten und neue Reize entdecken ließ, oder

ob bloß das Geheimniß, in das er ſeine Leiden⸗ ſchaft huͤllte, die Heftigkeit der letztern mehrte, laſſen wir unentſchieden.

Indeſſen war Dom Karlos in peinlicher Un⸗ ruhe uͤber die Geſinnungen, welche die Konigin gegen ihn hegte; und ob ihm gleich ihre Blicke eine ſtille, leidenſchaftliche Sehnſucht zu verrathen

ſchienen, die er fruͤher nicht bemerkt zu haben