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Don Karlos / Saint-Réal. Aus den Werken des Abbe St. Real gezogen und übers. von S. L. Schmidt
Entstehung
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die Sage geruͤhmt hatte. Die Koͤnigin war wirk⸗ lich eine vollendete Schoͤnheit im erſten bluhenden Jugendreiz, und wenn es im Allgemeinen der Fall iſt, daß nicht jede Schönheit jedes Herz er⸗ greift, ſo war bei ihr die ſeltene Ausnahme, daß Alles, Hof und Volk, ſie in gleich hohem Grade vergbtterte. Jede Erſcheinung im Publikum war fuͤr ſie ein Triumph. Es war ſchwer, ſie zu ſe⸗ hen, ohne ſie zu lieben. Und lange gieng die Sage am ſpaniſchen Hofe, daß kein kluger Mann es gewagt habe, ihr in das Auge zu blicken. Kurz, wenn es wahr iſt, daß Schönheit eine na⸗ türliche Koͤnigswuͤrde verleihe, ſo gab es wohl nie eine Koͤnigin, die mehr Koͤnigin war, als ſie.

Wohl mußte der gluͤckliche Gatte, der im Be⸗ ſitze ſolcher Reize war, ihre Zauber fuͤhlen. Das ganze Benehmen dieſer Fürſtin hatte etwas beſonders Rührendes, und immer fand ſie der Koͤnig in jener anziehenden, ſanften Stimmung, gleich fern

von dem zuruͤckſtoßenden Ernſt, in dem ſich die