überreichte mir den Paß mit ſichtbar erhöhtem Reſpect, verbeugte ſich und ſagte dazu: Ich erlaube mir nicht, tiefer in Ihr Geheimniß einzudringen. Ich begreife gar wohl, daß in unſern Zeiten ein Adliger mancherlei Ur⸗ ſachen haben kann, ſich in der Fremde zu verbergen, da wir faſt ebenſo gedrückt und verfolgt ſind, wie die Juden und unſer einziges Vorrecht darin beſteht, beim Militär zu verhungern oder in den Forſten zu verſauern, ja das Letztere iſt in der allerneuſten Zeit auch nicht einmal mehr unſer ausſchließliches Vorrecht. Auf Rei⸗ ſen gilt der Adel nun vollends nichts. Kommt unſer einer in den Gaſthof, ſo hat er von ſeinem Stande nichts, als eine längere Rechnung; und die Bürgerlichen machen ſich luſtig über die Verlegenheiten, welche uns daraus erwachſen. In dieſem Punkt hab' ich Erfahrun⸗ gen. Die von Buſchapfels ſind von jeher gute Jäger und tapfere Soldaten geweſen, aber ſie haben Unglück gehabt, gnädiger Herr, ausgeſuchtes Unglück. Mein Großvater war Lieutenant im Kartoffelkriege, er hatte das Unglück bei Nacht in einen Sumpf zu gerathen und mit drei Mann zu verſinken. Dann focht mein Vater in der Champagne, wo er das Manifeſt des Herzogs von Braunſchweig eigenhändig abgeſchrieben hat, denn er ſchrieb eine ſehr deutliche Hand. Von ihm datirt ſich das Unglück unſers Hauſes. Denn auf der Retirade wurde ihm eine Kaſſe, die er zu transportiren hatte, während er vor Miüdigkeit von Wein und Strapazen nicht zur Hand war, geſtohlen. Der Proceß wurde ſein Ruin; alle Offiziere des Regiments waren auf ihn pikirt.
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