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Der Novellist : eine Geschichte in 8 Dutzend Denkzetteln aus dem Taschenbuche des Helden / herausgegeben von Arnold Ruge
Entstehung
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Der kleine Redner blieb eine Weile ſtehn, winkte hinüber und ließ jedem von uns Zuhörern Zeit, ſo viel Heimweh zu fühlen, als ſeine Lage mit ſich brachte. Dann ſetzte er ſich nieder; und nun begann der anſehnlichſte unter den Landleuten:

Junger Herr, Sie wollen gewiß auf die Studien gehn und geiſtlich werden;'ne gute Ausrede haben Sie, nur daß die Stimme noch ein wenig zu fein iſt, aber das wird ſich ſchon geben. Da iſt der Kandidat Hund, den hab' ich auch gekannt, als er erſt zwei Käſ⸗ hoch war und mit der Fibel zum Küſter lief; und was für ein Kerl iſt er nun geworden! Sapperment! Wenn der Mann predigt, das Herz lacht einem im Leibe, ſo'ne klare Ausrede wie er hat! Und neulich da mußt' er Ihnen eine Predigt thun vom jüngſten Gericht, ich ſage, daß einem die Haare zu Berge ſtanden, all mein Lebtag ver⸗ geß' ich's nicht. Dabei wußt' er einem Jeden ſeine Sün⸗ den vorzuhalten, und ich habe mir auch mein Theil dar⸗ aus genommen von wegen des Fluchens, denn der Teufel reitet einen manchmal, daß man ein gottloſes Wort ſagt. Ja, Recht hat er, fluchen iſt ſündlich, aber es iſt ver⸗ flucht ſchwer zu halten, hols der Satan! Der Mann ſpricht einem gewaltig zu Herzen. Iſt's nicht wahr, Jürgen?

Ja, ſagte Jürgen, ein alter krummer Bauer, einen grauſamen Reſpect hat er in die⸗ Leute gebracht ſeit er da iſt. Da ſieht mans recht, was es für'n Unterſchied iſt mit dem lieben Gotteswort!

War es erſt an dem Jüngling, die Pforten des Hei⸗