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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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ſchnitt hatten, ſo war es meiner Mutter nicht ſchwer geworden, ſich in ihrer neuen Heimat heimiſch zu fühlen.

Gleich in den erſten Jahren ihrer Ehe wurden meinen Eltern in ſchneller Folge zwei Söhne geboren, und damit ſchien die Reihe ihrer Nachkommenſchaft geſchloſſen zu ſein. Je mehr aber dieſe Kinder heranwuchſen, je freier ſie die Zeis meiner Mutter ließen, welche der Reichthum meines Vaters der klein⸗ lichen Sorge um ihr Hausweſen enthob, um ſo mehr bemächtigte ſich ihrer ein inneres Unbehagen.

Während mein Vater mit ſeinem blühenden Geſchäfte, mit ſeiner hoch⸗ geachteten Stellung, mit ſeiner ſchönen und tugendhaften Frau ſich im Kreiſe ſeiner heranwachſenden Kinder vollſtändig glücklich fühlte, bildete ſich in meiner Mutter die Ueberzeugung aus, daß ſie das wahre, höchſte Glück des Herzens, daß ſie die rechte Liebe nie gekannt habe, wenn ſchon ihr ein ſchönes befriedigendes Lebensloos gefallen ſei.

Sich zu zerſtreuen, nahm ſie zur Lectüre ihre Zuflucht, und Rouſſeau, den mein Vater in ſeinen philoſophiſchen Schriften bewunderte, wurde für meine Mutter der Evangeliſt der Liebe, nachdem ihr dieNeue Heloiſe be⸗ kannt geworden war. Sie las nun alles, was er ſchuf und dichtete, und wie meines Vaters ſtolzer, bürgerlicher Freiheitsſinn ſich in dem Contrat social befriedigt fand ſo ſchwärmte meine Mutter mit Madame de Wollmar und Saint Preur für das höchſte Ideal der Liebe, um wie ihre Heldin darauf als tugendhafte Gattin Verzicht zu leiſten. Aber ſie wünſchte ſich noch einen Sohn, um ihn nach dem Vorbilde von Rouſſeau's Emil zu einem freien und voll⸗ kommenen Menſchen erziehen zu können. Indeß Jahre vergingen, ohne daß dieſer Wunſch ſich ihr erfüllte, und ſchon hatte ſie der Hoffnung entſagt, noch einmal Mutter zu werden, als dieſe ſich ihr zu ihrer großen Freude eröffnete.

Meine Mutter, die ſich ſehr jung verheirathet hatte, ſtand in ihrem zweiunddreißigſten Lebensjahr, mein jüngſter Bruder war achtjährig, als ich ge⸗ boren wurde, und meine beiden Eltern habe ich es oftmals ausſprechen hören, daß meine Geburt ihnen eben ſoviel, wenn nicht mehr Freude gemacht habe, als die ihres erſten Kindes. Es iſt aber ein großes Glück für einen Menſchen, ja, es iſt eigentlich ein Segen für ſein ganzes Leben, mit Freuden begrüßt, von Liebe, Muth und Hoffuung bewillkommt zu werden bei ſeinem Eintritt in die Reihen der Menſchen, und ich habe immer Mitleid gehabt mit jenen Geſchöpfen, die von ihren Eltern gleichſam als nothwendige Laſten mit ſorgendem Erbarmen aufgenommen werden.

WMein Vater ſah in ſeinem reichen Hauſe das Wachſen ſeiner Familie mit Vergnügen. Er hatte Anſehen, Ehren und Mittel genng, uns alle damit auszuſtatten. Meine älteren Geſchwiſter waren entzückt über den Neugebornen, der ihnen in ſeiner Hülfloſigkeit ein Gegenſtand der Neugier und des thä⸗