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nichts zu thun, um ihm zu helfen. Wilberforce hatte zwar einem jungen Menſchen die nothwendigſten Kunſt⸗ griffe gelehrt und ihn in der Zuſammenſetzung der Arznei⸗ mittel unterrichtet; aber er hatte ihm auch auf's Strengſte unterſagt, in außergewöhnlichen Fällen ohne ſeine An⸗ ordnung zu handeln und ihm begreiflich gemacht, welche Verantwortung er auf ſich laden würde, wenn er dieſem ſtrengen Befehle auch nur im Mindeſten zuwider han⸗ delte. So war alſo er, der allen geholfen hatte, allein ohne menſchliche Hilfe und nur bei Gott war Rettung, nur von Ihm Beiſtand zu hoffen. Das ganze Volk lag auf den Knieen, um die Barmherzigkeit des Höchſten anzuflehen.
Vier Tage nach der Rückkehr des erkrankten Miſſiv⸗ närs erblicken wir eine Scene der Trauer und des innig⸗ ſten Schmerzes, der ein ganzes Volk ergriffen hatte. Die Hütten von Bethlehem waren verlaſſen; alle Be⸗ wohner waren im freien Felde verſammelt, wo ſie in einem weiten Kreiſe ſchweigend und mit kummervoller Haltung umher ſtanden. Hoch über dieſer wohl viele Tauſend Menſchen ſtarken Volksmaſſe erhob ſich der hier ſteil anſteigende Hügel mit dem Kirchlein, von deſſen Thürm⸗ chen eine ſchwarze Fahne wehte und ununterbrochen des Glöckleins heller Ton erſchallte. Am Fuße des Hügels mitten im Kreiſe der im düſterem feierlichem Schweigen umherttehenden Menſchenmaſſen, die obwohl an Alter, Rang und Geſchlecht verſchieden, alle dasſelbe Gefühl,


